dbynight3Heute ist es soweit, die Somnambule erlebt ihren ersten Tag auf offener See und wir mit ihr. Im letzten Moment fahren wir in aller Frühe durch die automatische Schleuse aus der Osterschelde in die Nordsee. Wir sind einfach rein gefahren ohne uns vorher anzumelden – die Schließautomatik war schon ausgelöst und das Schleusentor begann sich zu schließen noch bevor wir ganz drin waren, nicht so der richtige Beginn eines entspannten Tages…

Nach der Schleuse haben wir am Wartesteg/Nordsee unser Frühstück nachgeholt. Dann mal wieder Supergau: Der Motor wollte nicht anspringen! Nach längeren Herumwurschteln hat er sich doch anlassen lassen und los ging es durch das Geschlängel des markierten Nebenfahrwasssers.

Wind und Sonne waren anwesend der erste weniger, die zweite mehr, und so warteten wir etwas mit dem Segelsetzen. Dann aber erstes Segelsetzen auf dem offenen Meer. Ein Großteil der Leinen ist nur provisorisch angeknotet – wir wissen die genauen Längen noch nicht und wollen erst einige Probefahrten machen, um uns dann auf definierte und entsprechend korrekt aber eben auch unwiderruflich befestigte Leinen einzulassen. Und natürlich lösen sich nach kurzer Zeit einige der Knotenund, das Vordersegel muss eingeholt und neu verknotet werden. Bald ist auch das zweite Segel an der Reihe und muss eingeholt und überarbeitet werden. Ich bin schon ziemlich genervt!! Und dann gleich nochmal rauf mit dem Segel und wieder runter weil die Leinenführung nicht mehr stimmt. Inzwischen hat der Wind etwas mehr Power und zieht an den Segeln – alles geht etwas schwieriger. Ich bin total durch geschwitzt und muss mich umziehen. Konni steht die ganze Zeit am Ruder weil immer etwas korrigiert werden muss – die ersten Stunden auf dem Meer sind nicht das pure „Relaxing“ Und dann der absolute Tiefpunkt des Tages: Das Großsegelhallyard verklemmt sich und das Segel lässt sich nicht mehr einholen!!!!!!!! Das Positive am Dschunkenrigg ist, dass zu jedem Zeitpunkt die Segel schnell und problemlos gerefft werden können – so die Theorie. Wir erleben direkt am ersten Tag dass in der Praxis, die Theorie ihre Tücken hat. Ist zwar mein Fehler, weil ich den Anschlagpunkt am Mastkopf falsch gewählt habe, aber in der Situation ist eine Lösung und nicht Schuldzuweisung angebracht. Also Motor wieder an – will mal wieder  zunächst nicht, aber dann doch, Vordersegel runter, klappt prima und dann allen Druck aus dem Groß raus nehmen und ziehen, ziehen, ziehen…. Schließlich beginnt es zu sinken und sich Dschunken typisch, Segelbahn für Segelbahn in den LazyJacks aus zu ruhen. Der Tag ist segeltechnisch gelaufen, bleibt nur noch die Frage: welchen Hafen anlaufen? Trotz allem Ungemach sind wir gut vorangekommen und durch das frühe Aufstehen ist der Tag lang genug für eine Direktfahrt nach Dunkerque.grandlarge

Spät am Abend, mit dem letzten Licht steuern wir den „Grand large“ Sportboothafen an. Dank des Bugstrahlruders und hilfreicher Seglerhände vom Steg aus, parken wir in dem letzten freien Stück „Besuchersteg“ ein. Die Lücke hat so Somnambule + 50cm Dimension. Und der Motor dröhnt und qualmt…

Wir sind geschafft! Kein Bock auf Einchecken, Kochen und die üblichen Arbeiten, die so anfallen nach einem langen Fahrtag. Wir schnappen uns die Hunde und wandern in Richtung unsere alten Dönerbude in der Innenstadt, die zum Glück noch existiert und geöffnet hat… Wir haben mit unserem alten Boot Anfang des Jahrtausend, zwei Jahre in Dunkerque gelegen – und die noch vorhandenen Ortskenntnisse machen sich sofort bezahlt.

dsteg dbynight2 dbynightDer Link zum Track

Erster Tag auf dem Meer…
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7 Gedanken zu „Erster Tag auf dem Meer…

  • Hallo Ihr,
    ich bewundere die Selbstverständlichkeit, mit der ihr alle Risiken und Gefahren in Kauf nehmt. Mensch, Konni! Du den Mast rauf, hast Du Dir das so vorgestellt? Habt ihr keine Angst zu verunglücken? Aber ihr kennt euch ja richtig gut aus, und seid nicht so „landeiig“ wie ich.
    Wo werdet Ihr Weihnachten sein? Weiterhin Schot- und Mastbruch!
    Liebe Grüße
    Birgit

  • Hallo Ihr 4 Hûbschen! ¡Hola guep@s!

    Gerede den ersten Eintrag geleaen Suuuuper! Freu mich. Und meeeeensch seid Ihr braun!!
    Wo kann ich mich als „Fan“ eintragen? (Zwinker!)
    Wir wollen auch!!!

    Un beso muy grande
    Ruth & Sam

    1. Hallo Ruth,
      arbeiten die bisherige Reise auf. Bereuen es, dass wir nicht mehr Bilder gemacht haben.

      Ich nehme an, dass Sam fleißig vorankommt und dann ist für Euch ja auch bald Starten angesagt!
      Grüße
      Arno

  • Hallo Ihr Beiden,

    hier schreibt die Kathrin! Schön, dass es Euch so gut geht, Ihr seht auch wirklich glücklich aus.
    Hier ist es zur Zeit echt neblig und regnerisch, seid froh, dass ihr weg seid :o)

    Liebe Grüße aus Wassenach, bzw Sinzig, Kathrin

    P.s. Neffel & Co sind für den Winter versorgt!

    1. (-:
      Hier wachsen die Neffles in Freiheit und bringen Früchte… Werden mal eine persönliche Statistik mit Regen- und Sonnentagen aufmachen, Schnee ist eh Utopie. So gefühlt hatten wir bisher 7 Tage mit Regen und davon 1 in D, 3 in NL und 2 in F….
      Grüße aus Almerimiar
      Arno

  • hallo Arno,

    neuer blog, sieht gut aus.

    Schiff segelt, gut.

    Die gittermastopfer hast du auch schon kennen gelernt, wollten nicht hören.

    Viel glück bei den nächsten kleinen problemen.

    Wolfgang

    1. Hallo Wolfgang,
      schnelle Reaktion:-)))
      Schiff ist Klasse – ohne Bugstrahlruder indiskutabel in Häfen!!
      Arbeite unsere bisherige Reise(-erfahrungen) kontinuierlich auf und stelle so schnell wie möglich alles ein.
      Kurz gesagt ist einiges nicht so funktional oder haltbar wie erwartet – aber es handelt sich nicht um die Basics! Die Motu hat gute Segeleigenschaften – schnell und sicher – das Dschunkenrigg ist ein Traum und das Gesamtpaket ist genau das Richtige für unsere Zwecke. Ich brauche allerdings noch etwas Zeit für die Feinheiten – so einfach wie überall beschrieben ist das Rigg dann doch nicht und Rückwärtsfahren ist auch mit Bugstrahlruder eine Herausforderung!
      Hoffe, du meldest dich von unterwegs.
      Grüße
      Arno

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