Unsere Somnambule trägt kein, auf nahezu jedem „modernen“ europäischen Segelschiff genutztes Bermudarigg, sondern etwas unkonventionell, ein Dschunkenrigg.

Warum?
Zufall & Überzeugung!!

Wir haben die Somnambule als teilfertiges Kasko gekauft. Karl, der das Projekt „Eigenbau Stahlschiff“ begonnen hatte, hatte sich für ein Dschunkenrigg entschieden und bereits den ersten, vorderen Mastfuß verschweißt. Der zweite Mastfuß war vorbereitet und beide Masten Teil des Kaufpaketes. Das meiste war auf der Basis eines Bauplans angefertigt, der speziell für die Motu berechnet ist. Diese Pläne haben wir ebenfalls mit dem Schiff erworben. Wir standen somit vor der Entscheidung, das Riggkonzept so wie vorgesehen zu realisieren, oder das Schiff komplett umzubauen und die bereits vorhandenen Teile des Riggs – soweit dies überhaupt möglich gewesen wäre, zu verkaufen. Oder in aller letzter Konsequenz, Abstand zu nehmen vom Erwerb dieses Kaskos.

Wir sind seit über 30 Jahren als Surfer und Segler unterwegs und hatten bis zum Erwerb der Somnambule kein einziges, als Dschunke geriggtes Schiff in Natura gesehen. Ich muss gestehen, dass ich noch nicht einmal wusste, dass dieses Rigg auch heute noch im Einsatz ist. Einige afrikanische Riggs, speziell von Last- und Fischerbooten waren mir bekannt, ebenso wie die „historischen“ Segel der Plattboote und anderer Nord- und Ostsee Frachtschiffe. Aber ein Dschunkenrigg??
Es blieb uns daher nichts anderes übrig als, so schnell wie möglich im Zuge der Kaufabwägung, etwas Basiswissen zum Thema Dschunkenrigg aufzubauen. Schon nach kurzer Zeit war uns klar, dass diese Riggform nahezu ideal ist für unsere Ansprüche – wenn denn die Informationen, die so im Internet verfügbar sind, zutreffen. Und angesichts der Fülle an unterschiedlichen Quellen, insbesondere aus dem angelsächsischen Raum, waren alle Zweifel schnell ausgeräumt!

Ein erschreckendes Beispiel dafür wie beschränkt Denken manchmal ist!!!! Wie man ohne rechts und links zu schauen einem ausgetretenen Pfad folgt, der gepflegt und gehegt wird von Menschen, die sich so eine einträgliche Einnahmequelle erhalten.

Was sind die Gründe, die uns in der Theorie überzeugt haben von Dschunkenriggkonzept?

  • Das Rigg bietet einen enormen Komfortvorteil, in Sachen Bedienung, Sicherheit, Genusssegeln
  • Das Rigg lässt sich mit weit weniger Kraftaufwand händeln
  • Das Rigg erfordert weniger Basiskompetenz fürs sichere Segeln
  • Das Rigg lässt sich von einer Person bedienen
  • Das Rigg ist weniger anfällig für technische Probleme
  • Das Rigg ist immer komplett fertig geriggt, es gibt keine speziellen Segel für bestimmte Segelsituationen
  • Das Rigg kommt ohne Verstagung aus, ohne Rollreffanlage, Mastrutscher, Genuaschiene, Kicker, Ausbaumer, usw.
  • Das Rigg lässt sich in weiten Teilen selber herstellen
  • Das Rigg kann leicht selbst repariert werden
  • Das Rigg altert langsamer
  • Das Rigg ist erheblich günstiger in der Anschaffung und im Unterhalt
  • Dieses Rigg hat nicht jeder:-))

Nach den ersten Monaten und ersten Erfahrungen bei mehr und weniger Wind, können wir die theoretischen Angaben in weiten Teilen bestätigen. Besonders überzeugend sind die angenehmen Fahreigenschaften, die einfachen und schnelle Anpassung an die jeweilige Windsituation und der Kostenaspekt. Abstriche würde ich in Punkto Komfort beim Handling anführen. Insbesondere die Zahl und Länge der eingesetzten Leinen ist ein Minuspunkt und erfordert konsequente Ordnung an Deck! Auch den Aspekt „geringere Basiskompetenz“ würde ich inzwischen so nicht mehr als gegeben ansehen. Als sehr unangenehm empfinden wir die Eigenbewegung/Vibration der Masten bei Starkwind vor Anker oder am Steg.

Ich werde hier in loser Folge das Thema Dschunkenrigg aus der theoretischen und der praktischen Perspektive aufarbeiten – und vielleicht findet der Eine oder die Andere Anregungen für ein eigenes Dschunkenprojekt.

2 Gedanken zu „Dschunkenrigg

  • Hallo Thomas,
    unsere Masten sind industriell gefertigte laternenmasten – sieht man häufiger an Autobahnen …
    Ein Mast wiegt ca. 250+kgs. Ein Manko ist, dass die Teile konisch gebaut sind – bedeutet natürlich erhöhte Stabilität aber die Segel fahren wir fliegend im oberen Bereich😌 ist etwas instabil.
    Ob dein Mast stabil genug ist??? unsere Teile haben eine Wandstärke von 20mm – 14mm allerdings nicht unidirektional sondern gerollt, vergleichbar mit Surfmasten.
    Dschunkenriggs werden auch verstagt gefahren allerdings widerspricht das eigentlich dem Konzept? unsere sind unverstagt und sie schwingen und bewegen sich – bisher ohne zu brechen!
    Ich hätte auch Bedenken ob die Segel nicht durch die Stagen behindert werden?
    Schau mal bei http://junkrigassociation.org/technical_forum die sind deutlich fitter als wir und können dir sicher gut Hinweise geben.
    Habe in NL eine Dschunke mit edelstahlmasten getroffen Wandstärke 3mm ca 8m lang hat wohl funktioniert, das Segel war allerdings recht klein… Waren auch verstagt wenn ich mich recht erinnere – hab da nicht so richtig hingeschaut.
    lass mir deine mailadresse zukommen und wir können uns gerne intensiver über details austauschen. einfach über die Kommentar Funktion ich schaltet sie dann nicht auf Öffentlichkeit🙏
    grüße
    Arno

  • Hallo ihr Somnambulen und Dschunkisten,
    Bevor ich mit der Tür ins Haus falle: tolles Schiff und gute Website.
    Ich baue gerade an meinem Katamaran, 28 Füsse und ca. 1,5 Tonnen Gesamtgewicht mit allem drum und dran aus Sperrholz und GFK Außenhaut. Das Bötchen wird ein Dschunkenrigg bekommen mit ca. 20 qm Segelfläche. Der Mast ist 8 m hoch, da er aber im Koker gefahren wird, greift die Windkraft nur über 6,50 m. Mein Mast ist fertig, wie bei euch aus GFK. Die “ Seele“ habe ich aus 100 mm Abwasserrohr ( die orangenen Dinger, in denen das Abwasser abfliesst) gebaut, darauf 6 Lagen Glasgelege 650 g je qm, dazwischen eine Lage Karbon. Alles unidirektional ausgerichtet.
    Da ich im Netz so gut wie nichts gefunden habe,ist alles auf meinen Mist gewachsen. Nun meine Frage an euch:
    Wie sind eure Masten beschaffen oder aufgebaut? Mein Spargel wirkt zwar einerseits ziemlich fest ( mein Nachbar mit ca. 90 kg Lebendgewicht hatte sich in der Mitte mal drauf gesetzt und es ist nichts passiert). Andererseits wirkt das Ding schon eher wie ein Schilfrohr. Ich hatte überlegt, den Mast mit Backstagen vierfach zu stabilisieren, aber die unverstagte Variante wäre mir erheblich angenehmer.
    Es wäre schön, wenn ihr mir helfen könntet.
    Im übrigen beneide ich euch, da ihr schon dort seid,wo ich mal hin will.
    Handbreit
    Thomas

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